Wie ihr alle wisst, war oder bin ich dabei eine eigene Ultraleicht Flugschule auf die Beine zu stellen. Ich habe ziemlich lange dafür geplant, den DAeC mit ins Boot geholt und wollte wirklich alles richtig machen. Sogar eine eigene Website (siehe Link oben) habe ich ins Internet gestellt. Diese startete mit einem Gewinnspiel, durch welches man einen von zwei Schnupperflüge gewinnen konnte. Kalkuliert war die Flugschule vorerst nebenberuflich mit etwa fünf Flugschülern pro Jahr. Das ganze sollte in Oerlinghausen unter dem Dach der Segelflugschule Oerlinghausen eingebettet werden. Die Kooperation sollte eine Win-Win-Situation für beide Parteien herstellen. Im Nachhinein bleibt wohl zu sagen, dass man im Vorhinein den Begriff “Win-Win-Situation” für beide Parteien hätte klar definieren sollen, sodass man sich über ein und dasselbe unterhält.

Der erste Vorschlag aus dem Hause der Segelflugschule Oerlinghausen hätte für mich geschäftlichen Suizid bedeutet. Es war unter dem Strich so, dass ich vor allem durch die Franchisegebühr so immense Kosten zu decken gehabt hätte, dass ich rein rechnerisch fünf Euro zu jeder Charterstunde und zehn Euro zu jeder Lehrerstunde hätte zusteuern müssen, um mit dem Preis konkurrenzfähig zu bleiben. Die Preise waren von meiner Warte aus ohnehin an die der Konkurrenz angelehnt, da ich weder Schwierigkeiten noch einen Preiskampf anzetteln wollte, sondern lediglich den Flugschülerüberschuss mit meiner Flugschule in Oerlinghausen auffangen wollte. Das war eine Sache, die ich in meinem Konzept immer sehr deutlich betont habe. Ich wollte den Markt nicht zerstören, sondern ergänzen und damit bereichern. Dass das nicht geht, wenn ich selbst als Lehrer draufzahlen muss, sobald ein Flugschüler in mein Flugzeug einsteigt, ist klar, wie Kloßbrühe. Nach der Aussage, ich solle doch einfach 140 anstatt 119 Euro für eine Lehrerstunde nehmen, sah ich mich gezwungen die geplante Kooperation vorzeitig zu beenden.

Daraufhin wurden die Verantwortlichen aus Oerlinghausen offen für ein Angebot auf Basis einer Umsatzbeteiligung. Ich solle mir Gedanken machen. Das habe ich. Zwei Wochen lang. Ich habe ein neues Konzept erstellt und bin mit meiner Rechnung so weit an das eigene Limit gegangen, dass sich das Angebot für mich gerade noch gelohnt hätte, gleichzeitig für die Segelflugschule Oerlinghausen aber äußerst attraktiv bleibt. Was am Ende dabei herausgekommen war, ist ja kein Geheimnis. Die Segelflugschule Oerlinghausen hätte von mir eine Provision bzw. Franchisegebühr in Höhe von 7,5 % bekommen und wäre gleichzeitig zu 99 % vom operativem UL Geschäft entbunden worden. Das ein oder andere Formular hätte hier und da sicherlich Mal gegengezeichnet werden müssen. Klar! Das ist allerdings Arbeit, die nun wirklich nicht weiter ins Gewicht fällt und locker mit dem Tagesgeschäft hätte abgedeckt werden können. Wer weiß, was eine solche Pilotenausbildung in etwa kostet, kann sich bei 7,5 % Beteiligung den Betrag von ca. 450 Euro pro Flugschüler selbst zusammendichten. Wie gesagt, hätte ich alles selbst organisiert: Papierkram, Theorieunterricht, praktischer Unterricht, Terminabsprachen, Website, Akquise, Marketing, Vercharterung, Wartung, Versicherung, ich habe sogar den eigenen Flieger mitgebracht und hätte die Unterstellung bezahlt, etc.. Die Segelflugschule Oerlinghausen hätte nicht einmal Kapital einbringen müssen. Als ich die E-Mail mit diesem Vorschlag in Absprache mit dem DAeC gen Oerlinghausen schickte, war für mich klar, dass “die” das Angebot gar nicht ausschlagen können. Man stelle sich nur mal vor, die Schule etabliert sich in drei bis fünf Jahren insoweit, dass man 25 Schüler pro Jahr, mit weiteren Lehrern evtl. sogar bis zu 40 Schüler pro Jahr durch die Ausbildung gebracht hätte. Für die Segelflugschule Oerlinghausen hätte das geheißen, dass man satte 11.250 Euro respektive 18.000 Euro Einnahmen aus dem Bereich Franchising zu verbuchen hätte. Einfach so. Quasi ohne etwas dafür tun zu müssen. Naja, obwohl ich fest mit einer Zusage gerechnet hatte, wunderte es mich irgendwie nicht, als die Absage mit den Worten, dass die Umsetzung einer UL Flugschule mit diesem Konzept  “für uns nicht erfolgsversprechend” sei, eintrudelte.

Auf der einen Seite konnte ich es kaum glauben, dass man eine solch potentielle Geldquelle, die null finanziellen Einsatz und null geschäftliches Risiko für die Segelflugschule Oerlinghausen und/oder den Flugplatz Oerlinghausen bedeutet hätte, einfach mal ablehnt. Es ist ja nicht unbekannt, dass der Flugplatz Oerlinghausen auf Subventionen angewiesen ist und Unterstützung von der Stadt Oerlinghausen, sowie vom Land Nordrhein-Westfalen beansprucht. Wer zahlt das? Richtig, der Steuerzahler :) Meines Erachtens nach sollten die scheinbar schlafenden Politiker, vor allem aber die Stadtverwaltung Oerlinghausen und der Kreis Lippe eine solch willkürliche Entscheidung etwas genauer unter die Lupe nehmen, wobei ich mir 100%ig sicher bin, dass die nicht einmal Bescheid wissen. Naja, noch nicht. Der Gelackmeierte bin am Ende nicht nur ich, sondern prinzipiell alle diejenigen, die Steuern zahlen. Im regionalen Wahlkampf tönen die Parteien lautstark mit Aussagen, wie z.B.: “Wir wollen Jungunternehmer fördern!”, “Wir wollen etwas für den Tourismus im Kreis Lippe tun!” oder “Wir wollen den Wirtschaftsstandort Lippe fördern!” herum. Und dann? Was passiert? Nichts! Der Jungunternehmer, der sich mit seiner geplanten Flugschule und einem modernen Konzept, welches sich tatsächlich von denen der anderen unterscheidet, in der Wirtschaftsregion Lippe niederlassen will, bekommt eine Abfuhr, die ihresgleichen sucht. Man nimmt lieber Steuergelder in Anspruch, als aus eigener Kasse wirtschaften zu können.

Auf der anderen Seite konnte ich es schon glauben, da ich gerade in der Fliegerei sehr viele kuriose Dinge und auch komische Ansichten kennengelernt habe bzw. kennenlernen musste. Die Leute, die ich persönlich kennengelernt habe und auf die man sich in der Fliegerei verlassen kann, zähle ich heute, nach drei Jahren Flugerfahrung und einem Jahr davon als Fluglehrer, an einer Hand ab. Und da bleiben sogar noch Finger übrig. Dem einen passt es nicht, mit welchen Leuten man geschäftlich verkehrt, andere beschweren sich darüber, dass man offene Diskussionen im Ultraleicht Forum führt, obwohl diese ohnehin täglich an jeder Ecke geführt werden. Klar, auf dem Flugplatz diskutiert man natürlich mit vorgehaltener Hand, da man keinem ans Bein pinkeln will und umgekehrt auch eine trockene Hose behalten möchte. Worum es aber geht und wie es tatsächlich in der Fliegerei – vor allem in der UL Branche – aussieht, wissen auch die Verbände nur zu gut. Die leben sprichwörtlich ja auch nicht hinter’m Mond. Arbeitet man nicht zusammen, was auch heißt, dass man offen über die Probleme sprechen sollte, wird es nie eine Lösungen geben. Meine Devise war hinsichtlich dessen immer: Karten offen auf den Tisch und Butter bei die Fische!

Scheinbar kommt man genau mit diesem Motto nicht weit. Man muss seine eigene Suppe kochen. Würde mich heute jemand fragen, ob ich das Ganze, was ich in letzter Zeit in Richtung Fliegerei getan habe, nochmal machen würde, müsste ich es ganz klar verneinen. Ich wüsste derzeit nicht, was, vom reinen Fliegen als solches mal abgesehen, in der Fliegerei einen Mehrwert in punkto Freizeit und/oder Lebenqualität bringen würde. Und ich glaube, dass das der angeblich fehlende Nachwuchs, genauso sieht. Man hört die alten Hasen (hiermit will ich sicher nicht alle über einen Kamm scheren) an jeder Ecke darüber mosern, dass der Nachwuchs ausbleibe. Man wundert sich, was man denn noch alles tun soll, um die Jugend für die Fliegerei zu begeistern. Die Vereine haben damit Grund genug, um um die eigene Existenz zu bangen. Das ganze muss aber nicht zwangsläufig am fehlenden Nachwuchs liegen. Viel mehr liegt das Problem meiner Ansicht nach in den teilweise veralteten Strukturen, in welche der Nachwuchs nicht reinpasst. OK, genau genommen passt er rein. Man will aber irgendwie nicht, dass er reinpasst. Man will das Zepter scheinbar nicht aus der Hand geben. Was früher war, soll auch so bleiben. Veränderung? Nein Danke! Meine Erfahrungen diesbezüglich fingen schon damals in der Ausbildung an…

Während meiner Ausbildung wurde ich im Jahr 2008 bei einem meiner Solo-Streckenflüge am Flugplatz Osnabrück ganz besonders nett begrüßt, weil ich angeblich mit voller Absicht den Propellerstrahl in Richtung der Hallen gestellt hätte, obwohl ich die ganze Zeit auf der gelben Linie auf dem Taxiway parallel zu den Hallen unterwegs war. Bei dem Versuch zu erklären, dass ich doch regelkonform der Linien entlang gerollt sei, winkte man ab und murmelte sich einen zurecht. Die Betreuung über Funk (der etwas ältere Mann saß im Turm) gab es für den Abflug natürlich auch nicht mehr. Ich solle mir die Piste und den Wind doch bitte selber aussuchen. Nochmal zur Erinnerung: Ich war zu der Zeit Flugschüler und hatte das bei Kontaktaufnahme auch so mitgeteilt. Darüber hinaus könnte ich aus dem Stehgreif locker ein Dutzend weitere Stories mit oft dummen Bemerkungen besserwissender Kameraden erzählen. Es gab wirklich vieles, bei dem man völlig unverständlich angeeckt ist, weil sein Gegenüber scheinbar mit dem linken Fuß aufgestanden ist. Versucht man sich zu rechtfertigen, wird man als frech und respektlos bezeichnet, obwohl man eigentlich ganz klar im Recht ist. Aktuell ist es so, dass ich als junger Typ (ja, man darf mich als Nachwuchs bezeichnen) eine Flugschule gründen will, die scheinbar niemand haben will. Ich habe tatsächlich bei x Plätzen im Umkreis von 75 Kilometern nach der Möglichkeit bzgl. der Gründung einer Flugschule gefragt. Nicht ein einziger Platz (!), mal ausgenommen von Oerlinghausen, hatte ernsthaftes Interesse an meinem Konzept oder überhaupt der Beantwortung meiner Anfrage. Man wollte nicht einmal einen Blick in das wirklich vielversprechende Konzept werfen. Man wurde einfach mit Desinteresse und teilweise argumentfreien Ausreden abgelehnt.

Ich muss daher ganz ehrlich sagen: Wer nicht will, der hat schon und sollte sich daher auch nicht beschweren. Die “alten Hasen” haben es selber in der Hand. Sie sind in der Position der Entscheider und wundern sich immer noch über den fehlenden Nachwuchs, der meiner Meinung nach eigentlich da ist, schlichtweg aber keine Lust auf einen solchen Empfang hat. Daher kann ich diesen “Uns fehlt der Nachwuchs” Kram eigentlich nicht mehr hören. Wer nicht offen für Veränderungen, Bewegung und Neues ist, immernoch wert auf hunderte Jahre alte Tugenden setzt und nicht mit dem Zahn der Zeit geht, der wird auf seinem Flugplatz oder in seinem Verein unweigerlich ein großes Problem damit bekommen, Jugendliche zu akquirieren. Begeistern braucht man die nämlich nicht von der Fliegerei. Eine scheinbar fehlende Faszination am Fliegen gibt es nicht. Faszination ist ohne Zweifel da! Auch bei der Jugend! Auch bei mir! Ich bin sicherlich ein tolles Beispiel für diese Diskussion. Ich zähle mich auf der einen Seite zu 100 % zum Nachwuchs der Fliegerei. Ich habe auf der anderen Seite aber sicherlich auch alles in die Wege geleitet, um den Voraussetzungen für einen Einstieg mitzubringen. Ich komme mit fertigem Konzept, welches für den Franchisegeber kein Risiko und keine Investitionspflicht beinhaltet und werde als “nicht erfolgsversprechend” abgelehnt. Und wie geht es weiter? Aus Sicht der alten Hasen wundert man sich sicherlich schon wieder darüber, wo denn nun der Nachwuchs ist. Ja, wo ist er denn?

Er geht nach Höxter. Da das ganze in Oerlinghausen leider scheitern musste, werden mein Partner und ich ein ähnliches Konzept in Höxter umsetzen. Wie das en detail aussehen soll, bleibt noch zu besprechen. Fakt ist auf jeden Fall, dass wir eine Art Pendlerangebot in das Konzept einbinden werden. Das heißt, dass wir zu unseren Schülern kommen und nicht umgekehrt. Demnach sind auch die bereits verlosten Schnupperflüge, sowie die bereits verkauften Rundflüge nicht in Gefahr. Diese bleiben selbstverständlich bestehen und werden bzw. können auch ganz normal ab Oerlinghausen durchgeführt werden. Alles weitere erfahrt ihr in Kürze auf diesem Blog.

Pilotenausbildung in trockenen Tüchern

verfasst am 23. Januar 2008

Naja, so ganz stimmt das ja noch nicht, aber der Vertrag mit der Flugschule ist immerhin geschlossen. Ich bin mir doch relativ sicher die richtige Schule gewählt zu haben und habe den Ausbildungsvertrag zum Ultraleicht Pilot am Montag den 21.01.2008 unterschrieben. Damit ist der “Schnupperflug” bereits Bestandteil meiner Ausbildung gewesen ;)
Die nächsten Hürden sind jetzt eher formaler Natur: Erklärung über schwebende Strafverfahren, polizeiliches Führungszeugnis beantragen, drei Passbilder machen, Personalausweis und Führerschein kopieren und eine Ausbildungsmeldung an den DULV übersenden.
Als letzten Schritt gibt es dann noch die ärztliche Untersuchung, durch die ich eigentlich problemlos durchkommen müsste. Das dadurch zu erwerbende fliegerische Tauglichkeitszeugnis der Klasse 2 muss spätestens zum ersten Solo (Alleinflug) vorliegen. Ende diesen Monats geht es bereits zum Augenarzt und Mitte nächsten Monats zum Fliegerarzt. Nach diesen ganzen Formalitäten werde ich also schon rund 185 Euro Nebenkosten beglichen haben.

Eine Entscheidung musste her

verfasst am 23. Januar 2008

Ich habe an dem Tag noch mindestens dreimal alles durchgerechnet. Ist die Flugausbildung an einer anderen Schule vielleicht günstiger, soll ich lieber in einen Verein gehen und und und…
Ausschlaggebend waren später unter anderem die Kosten zur Scheinerhaltung. Sollte es mal knapp werden, kann man die SPL mit einem Aufwand von etwa 45,00 Euro im Monat halten (12 Flugstunden und eine Übungsstunde mit Lehrer in den letzten 24 Monaten). Bei dem PPL sieht es schon etwas anders aus. Da benötigt man in den letzten 12 Monaten (!) besagte 12 Flugstunden. Man kommt dann auf eine belastung von etwa 125,00 Euro im Monat, was deutlich höher ist. Des Weiteren ist die Umschulung auf PPL jederzeit machbar, ich bin nicht an einen Verein gebunden und die Kosten der Ausbildung sind mit ca. 4.500 Euro vergleichsweise niedrig und dauert nicht so lange.